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Geschichten spielerisch umsetzen

Gehörtes und Gelesenes soll kreativ durch eigenes Handeln erlebt und verarbeitet werden. Fast jede Geschichte bietet Motive und Figuren, die im Zusammenhang mit der Geschichte stehen und in weiteren Aktionen oder Spielen umgesetzt werden können. So werden die Geschichten für Kinder vertieft, erfahr- und begreifbar. In Bibliotheken entsteht eine ideale Atmosphäre um sich von Geschichten anregen zu lassen und diese spielerisch umzusetzen.


Gestalterische Aktionen
Bildhaftes Gestalten, wie Malen einer Szene oder Basteln eines in der Geschichte vorkommenden Objekts, bietet Kindern die Möglichkeit, die gehörten Geschichten kreativ, auf einer nichtsprachlichen Ebene zu verarbeiten. Dabei steht nicht das Endprodukt im Mittelpunkt sondern der Entstehungsprozess. Diese Form der gestalterischen Verarbeitung von Geschichten bieten viele Bibliotheken im Anschluss an vorgelesene Geschichten, Autorenlesungen etc. an.

Beispiele:
Klassen-Klapp-Bilderbuch
Wo die Geschichten wohnen
Sprachspiele mit dem Buchstabenmonster

Theaterpädagogische Aktionen
Bei theaterpädagogischen Aktionen "schlüpfen" Kinder in eine andere, fremde Rolle und erleben Situationen aus einer neuen Perspektive. Beispielhafte Methoden sind: Mitspieltheater, Rollenspiele, Figurentheater, Tisch- und Kartontheater, etc. Durch eigenes Agieren werden Geschichten individuell verarbeitet und bleiben nachhaltig in Erinnerung.
Beispiel: die Methode "jeux dramatiques - Ausdrucksspiel aus dem Erleben"
Der Text wird vom Spielleiter / Spielleiterin vorgelesen (z.B. Wo die wilden Kerle wohnen von Max Sendak). Jeder in der Gruppe wählt sich ein Subjekt oder Objekt der Geschichte (z.B. Max, die Kerle - es können unendlich viele sein, Bäume, das Schiff, der Geruch des Essens, das Max wieder nach Hause lockt - alles kann gespielt werden). Mit einfachen Requisiten, wie z.B. Tücher, können sich die Kinder verkleiden. Der Spielleiter / die Spielleiterin liest die Geschichte vor, mit Pausen, in denen die Spielfiguren (pantomimisch) agieren. Es geht nicht um eine Aufführung der Geschichte, sondern um ein Nacherleben.

Beispiel: "Standbilder" zu Märchen
Verschiedene Gruppen erhalten einen darzustellenden Textausschnitt, aus dem sie die wichtigsten Passagen herausarbeiten. Diese Schlüsselsituationen werden zunächst in Kleingruppen in Form von Standbildern und mit Hilfe von Requisiten dargestellt. Nacheinander zeigen die Gruppen ihre Standbilder und die anderen erraten den entsprechenden Ausschnitt. Zum Abschluss wird das Märchen in der richtigen Reihenfolge der Standbilder nachgespielt.

Schattenspiel mit Gruselgeistern

Zielgruppe: Klasse 3 und 4
Dauer: 3 Monate

Konzept von:
Bettina Harling
Stadtbibliothek Mannheim - Zweigstelle Neckarau


Grundidee

Vom Verlag ars Edition hatten wir die Originalillustrationen zum Bilderbuch "Sophia und die Gruselgeister" von Anette Bley ausgeliehen. Im Buch sind Teile der Illustrationen mit einer Spezialfarbe abgedeckt, die auf Wärme reagiert. Die Kinder konnten deshalb in der Ausstellung auf Entdeckungsreise gehen und viele zusätzliche Details aufspüren. Da der Text aus Reimen besteht und eine Art Refrain hat, macht das Vortragen doppelten Spaß und die Kinder können schnell in den Refrain einstimmen.

Material

  • Bilderbuch "Sophia und die Gruselgeister" von Anette Bley
  • Material für Figuren, Requisiten und Kulissen

Durchführung

Mit der Theater-AG einer Grundschule (Schüler aus den Klassen 3 und 4) habe ich das Bilderbuch in eine Schattenspiel (Mischung aus Mensch- und Figurenschattenspiel) umgesetzt. Um möglichst viele beteiligen zu können, wurden die Rollen doppelt besetzt, jeweils mit einem Spieler und einem Sprecher. Man spart sich dadurch auch das aufwendige Lernen der Texte. Für das Basteln der Figuren, Requisiten und Kulissen sowie das Einüben der Rollen und Geräusche haben wir ca. 3 Monate gebraucht (bei einer Schulstunde pro Woche). Aufgeführt wurde das Stück vor allen 1. und 2. Klassen der Schule, die sehr beeindruckt waren vom Spiel mit Licht und Schatten.

Zusatztipp: Vorbild für das Schloss im Buch war Schloss Lichtenstein in Baden-Württemberg. Im Museum gibt es einen Bastelbogen vom Schloss zu kaufen, den man ebenfalls begleitend einsetzen kann.

Beispiel: Waygang

Spielpädagogische Aktionen
Motive aus Geschichten werden in traditionellen und bekannten Kinderspielen neu erlebt.
Z.B.: Spiel: Mein rechter Platz ist leer: Beim Thema Tiere: Mein rechter Platz ist leer, ich wünsche mir die (Name des Kindes) als "Hase" her. Kind bewegt sich pantomimisch an den Platz.
Spiel: Obstsalat: Zwei Kinder bekommen den gleichen Namen und müssen die Plätze austauschen, wenn sie aufgerufen werden. Das Spiel kann auf alle Motive umfunktioniert werden.

Beispiele:
Der kleine Wassermann
Vorsicht! Wasser in der Bibliothek! Geschichten und Spiele über Piraten, auch für Landratten geeignet
Bücher - Bingo

Musische Aktionen
Bei musischen Aktionen werden Geschichten in Klängen und Klangbildern umgesetzt. Nicht das Wort steht im Vordergrund sondern das Hören und das sich Hineinversetzen in die Geschichte. Die Kinder beschäftigen sich mit verschiedenen Klangmaterialien, wie Musikinstrumente, körpereigenen Instrumenten und / oder Alltagsgegenständen. Der Anleiter / die Anleiterin und die Kinder wählen gemeinsam Instrumente oder Gegenstände aus, die den Text am Besten wiedergeben. Jedes Kind erhält im Laufe des Entstehungsprozesses ein "Instrument" und trägt so aktiv zum Gestalten der Klanggeschichte bei. Mit jeder Gruppe entsteht ein anderes, neues Klangbild.

Beispiele:
Es war einmal ein Mann
Ronja Räubertochter
Mit Claude Monet zum Rosensee

Quelle: "Mehr mit Medien machen" : aktive Literatur- und Medienvermittlung in Kinder und Jugendbibliotheken / DBI, Deutsche Bibliotheksinstitut. [Hrsg. von der Expertengruppe "Kreativer Umgang mit Digitalen Medien in Kinderbibliotheken" im Auftr. der Kommission des DBI für Kinder- und Jugendbibliotheken]. - Berlin : DBI
Bd.5, Highlights : Feste und Aktionen für Kinder und Jugendliche in der Bibliothek

Dschungel-Tour: Schloss Draussendrin

Quelle: Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK)

Kinderfiguren "erleben"
Bibliotheken bieten immer wieder besondere Aktionen, Veranstaltungen für Gruppen an, in denen bekannte Kinderfiguren "erlebt" werden. Die Bibliothek wird zum magischen Ort, an dem die Kinder Figuren aus Geschichten treffen, sie werden Teil der Geschichte und erleben Literatur als etwas lebendiges, an dem sie aktiv teilhaben und gestalterisch einwirken können.

Beispiele:
Ein magischer Abend
Bücher erleben mit Pippi Langstrumpf

Audiovisuelle Umsetzung
Medien spielen im Leben von Kindern eine bedeutende Rolle. Fast überall werden sie mit unterschiedlichen Medien konfrontiert, Lebenswelten von Kindern werden zu einem Großteil von Medien mitgestaltet. Bibliotheken greifen unterschiedliche Medien auf, um Geschichten, beispielsweise in Hörspielen und Videos, neu zu produzieren. Bei einer audiovisuellen Umsetzung werden sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten ebenso angesprochen wie Spontaneität, Fantasie, Konzentration und soziale Kompetenzen. Bibliotheken bieten im Rahmen von Projekttagen oder einer Projektwoche zahlreiche Konzepte an, für die audiovisuelle Umsetzung von Geschichten.
Beispiele:
Hörspielprojekt "Die Abenteuer des Herrn Müller"
Videoprojekt "Fernsehhelden"


Was man mit Märchen alles machen kann
"Es war einmal..." - wer kennt sie nicht die Märchen der Brüder Grimm, von Hans Christian Andersen und all den anderen? Märchen bieten Kindern durch ihre polare Erzählstruktur, ihre symbolhafte Sprache zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten. Die magische und die reale Welt gehen fließend ineinander über und lassen viel Raum für die eigene Phantasie. So sind Märchen ein ideales Medium um eigene Erzählpartituren herzustellen und daraus Spiele zu entwickeln, denn den meisten Märchen liegt ein Erzählmuster zugrunde:
Z.B. die Kreisgeschichte: Einer geht von zuhause fort, erlebt Abenteuer, bis er über kurz oder lang wieder zuhause ankommt.
Oder: es waren einmal drei Brüder/ drei Schwestern, die gingen von zuhause fort, wurden voneinander getrennt, erlebten verschiedene Abenteuer, trafen sich wieder...

Beispiele aus dem vielfältigen Veranstaltungsprogramm von Bibliotheken rund um das Thema "Märchen".